Ende des Monats ist es wieder soweit: Die große Jagdsaison auf Zypern beginnt, und damit auch die Zeit des Schreckens für die Hunde. Selbst die Bevölkerung wird auf gerufen, sonntags und mittwochs nicht in den Bergen und außerhalb der Dörfer spazieren zu gehen, da in dieser Zeit förmlich auf alles geschossen wird, was sich bewegt.
Bei Anbruch der Morgendämmerung beginnt das große Schießen. Viele „Jäger" nehmen erstmalig in diesem Jahr ihre Hunde mit, die entsprechend aufgeregt durcheinander laufen. Denn die meisten dieser Hunde werden das Jahr über unter sehr schlechten Bedingungen gehalten, in engen Zwingern, ohne Auslauf, tagelang in ihren eigenen Exkrementen stehend, umgeben von Fliegenschwärmen. Es stinkt erbärmlich! Die Hunde können froh sein, wenn sie einmal am Tag überhaupt einen Menschen sehen. Aber nicht nur Jagdhunde müssen auf Zypern so ihr armseliges Leben fristen, sondern auch viele Nicht-Jagdhunde. Das ganze Jahr bekommen sie kaum Beachtung, und dann werden sie plötzlich aus ihren Gefängnissen geholt. Es gibt sogar selbsternannte „Jäger", die bereits eine Woche vorher aufhören, ihre Hunde zu füttern, in dem Irrglauben, dass sie ausgehungert besser jagen.

Sobald die Jagd beginnt, sind die Jagdhunde vielen Gefahren ausgesetzt:
– Sie werden gleich von ihren Besitzern erschossen, weil sie nicht „funktionieren"
– Sie werden „nur" angeschossen oder misshandelt zurück gelassen, weil ihre Besitzer nicht zufrieden sind
– Sie werden einfach so zurück gelassen, weil sie weggelaufen sind und ihre Besitzer kein Interesse haben, sie wieder zu finden
– Sie werden vergiftet und verrecken elendig

Ein Beispiel aus dem letzten Jahr: Allein am allerersten Jagd-Sonntagvormittag hat des in Limassol 34 vergiftete Jagdhunde gegeben, die es gerade noch zu den Tierärzten geschafft haben. Wie hoch mag da die Dunkelziffer sein?

Gegen Ende der Jagdzeit beginnen die Dörfer, am Ortsrand Gift auszulegen „gegen" die vielen zurück gelassenen Jagdhunde, die nach und nach ausgehungert aus den Bergen herunter zur Küste kommen. Auf der Suche nach ein bisschen Futter nehmen sie alles Fressbare auf, auch die Giftköder. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie viele von ihnen während nur einer Saison einen schrecklichen, qualvollen Tod sterben!

Die Tierheime sind in dieser Zeit in ständigem Alarmzustand: es gibt wieder unzählige Anrufe von Menschen, die einen heruntergekommenen oder verletzten Jagdhund, in der Mehrzahl Pointer, gefunden haben und diesen jetzt in eines der ohnehin schon überfüllten Tierheime abgeben möchten. Oder uns fliegen diese Tiere einfach über den Zaun. Das stellt uns, wie jedes Jahr, vor die gleichen unlösbaren Aufgaben: Wie soll das alles finanziert werden? Wo sollen wir jetzt ein freies Eckchen für diesen Hund finden? Leider müssen wir oft einfach nein sagen, da wir es einfach nicht mehr schaffen.

Hinzu kommt, dass sich Pointer sehr, sehr schwer vermitteln lassen. Denn es sind große, bewegungsfreudige Hunde, und sie brauchen Menschen, die diesen Tieren auch gerecht werden können. Doch jeder, der schon mal einen Pointer hatte, wird automatisch zum Pointerfan, denn diese Hunde sind in der Regel einfach nur lieb, intelligent und tolle Familienhunde.

Wir können auch diesmal nur wieder die Ärmel hochkrempeln, abwarten was passiert und hoffen, dass es nicht zu schlimm wird. Es liegen wieder schwere 3 Monate vor uns.

Barbara