IMG 31621Es begann am 30. November 2016

Er benahm sich typisch wie jemand, der nach 4 Stunden in der Maschine in einer völlig neuen, fremdsprachigen, fremd riechenden Umgebung im Getümmel eines Flughafens mit Engelszungen aus seiner Transportbox gelockt wird, um diese doch bitte, bitte zu verlassen. Die aneinander gereihten Freundlichkeiten seiner neuen Menschen, ihre Zuneigung und vorsichtigen Annäherungen durch die Stäbe der Box mit klitzekleinen Fleischwursthäppchen ermuntern DEAN langsam aber sicher, diesen ersten Hopser auf deutschen Boden zu wagen. Dann folgen gut zwei Stunden bis ins neue Zuhause im Fond des Autos.

Nur angeschnallt, anstatt wieder hinter Gittern zu sein, tun ihm so gut. Während der Fahrt hört er meine Stimme und die meiner Freundin. Weiß nicht, soll ich wieder eindusseln oder lieber wach bleiben. Gegen 19.00 an diesem Tag ist es bereits stockdunkel. (Als wir ankamen, mag er gedacht haben: der Boden, auf dem ich stehe, gibt mir keine Veranlassung den zu markieren. Tatsächlich blieb das Urinieren aus bis zum nächsten Morgen. Ich rechnete: das sind ca. 19 Stunden seit Verlassen des Shelters in Pafos vor dem Abflug! Unglaublich!!)

IMG 3217210 cm ‘tiefer gelegt’ folgt mir mein neuer Hund, stockend und unentschlossen langsam, vorsichtig ins Treppenhaus. Das wäre geschafft. Nun müssen wir noch 2 mal 7 Stufen rauf. Die Freundin öffnet oben schon mal die Wohnungstür. Ich säusele ununterbrochen Wörter -griechisch/deutsch/phantastisch- in beruhigendsten Melodien ...und siehe da, mein Freund überschreitet - die Nase am Boden und gleich den Blick wieder in die unbekannten Räume gerichtet, die sich vor ihm auftun - die Schwelle. Worte verstummen immer mehr. Wir lassen DEAN in Ruhe einen Bereich nach dem anderen erkunden. Optimal, denke ich, dass es keine Zimmertüren gibt bei uns. Dazu warten hie und da kleine verstreute Leckerlies und die Gerüche dreier Generationen von Vorgängerinnen überall. Das muss ihm gefallen. Während er die Runde durch alle Zimmer macht, hören wir es knacken, immer, wenn er wieder ein Plätzchen gefunden hat.

Schließlich landet er bei mir. Langsam setze ich mich zu ihm auf den Teppich. Wir schauen uns kurz in die Augen. Endlich schaue ich tatsächlich in diese beeindruckenden Bernsteinaugen, kajalschwarz umrahmt, wie wir es von den alten Ägyptern kennen. Wie wunderschön sie sind! (Schon in seinem Portrait auf der Homepage hatte ich mich spontan verliebt in diesen unwiderstehlichen Blick.) Aber dieses Wesen ist nur Haut und Knochen. Die schauen überall aus dem kurzen Fell hervor, Rippenbögen und Beckenschaufeln, hervor gewölbt das Brustbein. Ja, die gesamte Wirbelsäule zeichnet sich ab, wenn er vor mir sitzt. Unwillkürlich erstehen schlimme Bilder und Situationen aus DEANs Zeit auf den Straßen seiner Heimat in meinem Kopf. Die Ohren zerbissen und ausgefranst. Sind es narbige Male von Kampfspuren in der Flanke, am Rücken und auf dem Schädel? (‘du armer, kleiner Junge! Welch schmerzhafte Erfahrungen hast du in deinem kleinen Leben schon gemacht’) Unsere Sensoren laufen auf Hochtouren. Mit all meinen Sinnen nehme ich dieses zerbrechlich wirkende Geschöpf wahr. Meine Hände, meine Worte umspielen seinen Körper. Er dreht sich ein in diese Liebkosungen. Wir machen jetzt einen neuen Anfang! Entspannung und Freude erfüllen den Raum.

mein 2. tag 2.12.262Für die Nachtruhe wären da verschiedene, kuschelige Schlafplätze für DEAN gewesen, aber er suchte meine Nähe. In dieser ersten Nacht zieht es ihn zu mir. Welch gegenseitiges Kompliment, was für ein Vertrauen! Wir schmiegen uns, ohne zu fremdeln, aneinander. Bald fühle ich, wie DEANs Atemzüge nach einem tiefen Seufzer zunehmend ruhiger werden. Auch mein Herz beginnt langsamer zu schlagen. Anspannung und Aufregung dieses Tages fallen von uns ab. Ich lächele und bin sehr glücklich.

DEAN bleibt bis zum Morgengrauen neben mir, springt dann irgendwann vom Bett und begibt sich wie selbstverständlich auf seinen neuen Schlafplatz im selben Raum. 

Der nächste Tag beginnt ausgeruht. Wie ich mich freue auf die Zeit, die vor uns liegt! Die beginnt jetzt. Ich werde ihn DINOS nennen.

Dinos und Ulrike Bettermann_ 58313 Herdecke, im Nov. 2019

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